Unser Interview mit einem EA-Programmierer.
Unsere Game Preview hat gezeigt: das Videospiel "Harry Potter und der Feuerkelch" bietet viel Neues und wird erstmals ein Game für alle Altersklassen sein. Doch wir wollten es noch genauer wissen - und sprachen mit jemandem, der Bescheid weiß: Justin Manning aus London programmiert für Electronic Arts Computerspiele und unter Anderem auch "Harry Potter und der Feuerkelch". Unser Interview mit ihm - lest ihr hier!
HP-Fans.de: Hi, Justin. Schön, dass du Zeit für uns gefunden hast.
Justin (EA): Hi Leute, nett euch kennen zu lernen. Schießt los!
HP-Fans.de: Okay, vielleicht noch kurz zu dir und deiner Abteilung. Als was arbeitest du bei EA?
Justin (EA): Ich trage den Titel 'Producer' und produziere als solcher die Harry Potter Videogames, für welche bei uns ständig zwischen 80 und 120 Leute arbeiten.
HP-Fans.de: Okay, wir haben gehört, dass die Figuren im Feuerkelch-Videogame den Schauspielern aus den Filmen sehr ähnlich sehen werden. Stimmt das, und wenn ja, warum ist das so? In den ersten Games hatten die Figuren ja auch ein komplett eigenständiges Aussehen.
Justin (EA): Ja, es stimmt - Marktforschungen sagen uns, dass die Kids dazu tendieren, zuerst den Film anzuschauen. Als die Bücher herauskamen, waren diese neu, also las man die Bücher und da die Filme nun fast jährlich herauskommen, sehen viele Harry als Daniel Radcliffe.
HP-Fans.de: Inwieweit unterscheidet sich Harry Potter und der Feuerkelch von den anderen Games?
Justin (EA): Im vierten Spiel gibt es einige Innovationen, die wirklich völlig neu sind und die es in keinem Harry Potter Game vorher gab. Wir haben dieses mal eher ein echtes Actionspiel produziert - es geht weniger darum, irgendwelche Puzzles zu lösen, sondern mehr darum, durch die Kombination der Gamefunktionen einen eigenen, individuellen Weg durch das Spiel zu finden. Wir setzen mehr auf logisches Denken und darauf, dass sich der Spieler fragt 'Wie kann ich diese oder jene Problematik schneller lösen?' Wir haben viele Möglichkeiten dafür einprogrammiert, man muss nur ausprobieren und sie finden. Technisch gesehen ist der Feuerkelch ein Spiel für bis zu drei Spieler. Das bedeutet, dass während des Levels auch andere Mitspieler dazustoßen können und irgend eine Figur, z. B. Hermine oder Ron, übernehmen können. Genauso kann man aber auch jederzeit wieder aussteigen. So wird das Spiel zu einem Gemeinschaftserlebnis vor dem Bildschirm.
HP-Fans.de: Du hast von einem individuellen Weg durch das Spiel gesprochen. Was meinst du damit genau?
Justin (EA): Es gibt bei jedem feindlichen, magischen Geschöpf mehrere, unterschiedliche Wege und Methoden, dieses zu bekämpfen, so dass der Schwierigkeitsgrad auch von Geschöpf zu Geschöpf variiert. Jüngere Spieler können einfach ein paar mal auf eine einzige Taste drücken, kleine Zaubersprüche rausschreien und schon ist der Gegner weg. Doch, wer ein bisschen herumprobiert und sich etwas traut, kann Zaubersprüche kombinieren und die angewendete Magie sinnvoll bündeln - man kann durch die Luft fliegen, man beherrscht Verwandlungen usw. Wenn man diese neuen Möglichkeiten logisch einsetzt, bekämpft man den Gegner auch - nur schlicht und einfach schneller, besser und anspruchsvoller. Es gibt immer einen leichten und einen schwierigen Weg, eine Aufgabe hinter sich zu bringen. Außerdem haben wir für ältere Spieler noch eine Idee gehabt - wer ein Level durchgespielt hat, kann ja mal versuchen, nochmal von vorne zu starten. Denn der Spieler schaltet während seiner Missionen versteckte Areale frei, in die er aber erst kommen kann, wenn er das jeweilige Level schon absolviert hat. Die Anzahl dieser Areale orientiert sich dabei an der individuellen Spielweise des Spielers. Er kann dann jedes absolvierte Level neu starten und die neuen Areale erkunden. Damit garantieren wir lange Spielfreude und Unterhaltung.
HP-Fans.de: Wieviele unterschiedliche Möglichkeiten gibt es denn für die jeweiligen Altersstufen, ein Geschöpf zu bekämpfen?
Justin (EA): Jedes magische Geschöpf kann auf vier verschiedene Weisen bekämpft werden und dein persönlicher Weg hängt davon ab, wie du deine Zauberei anwendest. Die erste Methode ist - drücke häufig genug auf x und das Geschöpf wird zu einem Haufen Bohnen ... aber du kannst zum Beispiel auch diesen Steinbrocken hier hochheben und auf das Geschöpf schmeißen. Oder du kannst versuchen, den Boden unter dem Geschöpf - beispielsweise wenn es auf einem Hang steht - zu lösen, so dass es abrutscht. (Anm. v. HP-Fans.de: beispielsweise bei der Quidditch-WM möglich!). Das Resultat ist das gleiche. Wir versuchen, den Spieler zu ermutigen, Zaubersprüche zu kombinieren. Durch die Zauberei erhaltet ihr Karten und die könnt ihr in euer Folio Universitas legen. Dort seht ihr auch eine Seite, mit dem jeweiligen Geschöpf in der Mitte und den Methoden, mit denen ihr es bekämpfen könnt - ihr könnt es wie ein Handbuch benutzen und erfahren, wie ihr mit dem jeweiligen Geschöpf umgehen könnt. Außerdem sammelt ihr Bohnen - Bohnen sind so etwas wie die Währung, welche die Kraft der Figuren erhöht. Außerdem gibt es Zauberbohnen, die blauen, die die Zauberkraft der Figur erhöhen.
HP-Fans.de: Und wie sieht das Spiel rein inhaltlich aus?
Justin (EA): Wir halten uns da sehr an den Film. Es treten drei Zauberschulen gegeneinander im Trimagischen Turnier an. Harry nimmt dort ja auch teil, obwohl er noch viel zu jung und unerfahren ist. Im ersten Wettbewerb gleich gibt es einen gigantischen Kampf gegen einen feuerspeienden Drachen. Dort muss man nicht nur zaubern, sondern gleichzeitig fliegen - übrigens eine Sache, die viele in den ersten drei Spielen etwas vermisst haben. Es gibt auch weitere Flugszenen, z. B. eine, bei der man das Gelände von Hogwarts erkunden kann. Im zweiten Wettbewerb taucht Harry in den Black Lake ein und muss seine Freunde retten. Auch hier hat Harry eine ganz neue Fähigkeit - er schwimmt. Im Labyrinth schließlich muss Harry sich gegen seine Konkurrenten durchsetzen und den Pokal finden - welcher jedoch nur scheinbar ein Gewinn für ihn ist ...
HP-Fans.de: Gibt es inhaltliche Unterschiede zu den Büchern?
Justin (EA): Das Buch dient als Grundlage für die Filme und insofern sind wir da inhaltlich natürlich etwas angebunden. Was wir aber gemacht haben und darauf sind wir auch richtig stolz, ist, dass wir aus einigen Szenen, die in den Büchern reine Erzählsequenzen darstellen, richtig anspruchsvolle Action-Adventure-Szenen und große Herausforderungen programmiert haben.
HP-Fans.de: Ihr produziert das Spiel für verschiedene Plattformen. Unterscheiden sich die einzelnen Versionen eigentlich?
Justin (EA): Einige Editionen enthalten zusätzliche kleine Herausforderungen (Mini Games), vom Handlungsstrang und dem Plot des eigentlichen Games her sowie von der grafischen Darstellung her unterscheiden sich die einzelnen Plattformeditionen aber nicht wesentlich.
HP-Fans.de: Wie sehen solche Mini Games beispielsweise aus?
Justin (EA): Wir haben zum Beispiel aus Joanne K. Rowling's Buch "Fantastic Beasts and Where to Find Them" ein magisches Geschöpf entnommen, nämlich den Niffler. Den kann man in einem solchen Game pflegen - da wird sich dann zeigen, wer bei Hagrid aufgepasst hat (lacht). Man kann ihn mit Nahrungsmitteln versorgen oder ihn waschen. Wer den Niffler bei diesem Mini Game aber vernachlässigt, wird bald ziemlich einsam sein. (Anm. v. HP-Fans.de: das Niffler-Mini-Game gibt's in der Version für Nintendo DS!)
HP-Fans.de: Kontrolliert Joanne Rowling eigentlich die Inhalte der Spiele? Muss sie diesen zustimmen?
Justin (EA): Es ist ein ziemlich weiter Weg, es gibt eine inhaltliche Kontrolle und ein Qualitätsmanagement bei EA, dann bei Warner Bros., schließlich bei Joanne's Agentur und somit auch in irgendeiner Form bei Joanne ...
HP-Fans.de: Ihr wollt euch, so hast du gesagt, am Film orientieren. Habt ihr ihn denn schon vorab gesehen oder woher wollt ihr wissen, wie die Kulissen aussehen?
Justin (EA): Wir schauen ab und zu am Set vorbei, besuchen den Drehort und inspirieren uns dort. Die Kulissen sind dort ja meistens aufgebaut und von daher können wir die Hintergründe des Films doch sehr authentisch nachbauen, und das ist auch gut so: Uns kommt es auf den Wiedererkennungswert an. Außerdem wollen wir versuchen, den Fans mehr von Hogwarts zu zeigen, denn Hogwarts ist mehr als nur das Schloss.
HP-Fans.de: Justin, vielen Dank für diesen Blick hinter die Kulissen und die vielen Informationen. Auf Wiedersehen!
Justin (EA): Keine Ursache. Tschüss, guys.